Kolumne von Ines Caspar, Aurum Vermögensmanagement GmbH
Alsfeld, 08.05.2026
Weiterhin dominieren der Iran-Krieg und die Trumpschen Eskapaden die Wirtschaftsnachrichten!
Zusätzlich zu den schwer abzuschätzenden Schäden, der durch die Sperrung der Straße von Hormus
eintritt, will Trump nun den Zoll auf Auto- und Lastwagenimporte aus der EU in die USA von 15% auf
25% erhöhen. Das Münchener Ifo-Institut warnt nach Trumps Ankündigung neuer Strafzölle für die EU
vor einem diesjährigen Rückgang des deutschen Wirtschaftswachstums im Falle von EU Gegenzöllen
auf US-Produkte. Falls daraus ein neuer Handelskrieg werde, drohe Deutschland 2026 eine Rezession.
Viel entscheidender ist das Thema Energie. Das hiesige Preisniveau erstickt die Konkurrenzfähigkeit in
der Produktion. Wenn es anhält, stehen wir in unserem primären Geschäftsmodell vor einer großen
Insolvenzwelle. Das Thema der mangelnden Energieversorgungssicherheit verhindert zu großen Teilen
Investitionen der energieintensiven Unternehmen, die maßgeblicher Teil des deutschen
Geschäftsmodells sind.
Lieferketten und die Versorgung verschlechtern sich. Inflation wird wieder ein Thema.
Durch die Sperrung der Straße von Hormus geraten die Lieferketten spürbar unter Druck. Die Versorgung
mit Vorprodukten hat sich zuletzt bereits deutlich verschlechtert. Der Konflikt im Nahen Osten und die
Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wirken sich zunehmend auf die
Versorgung mit Vorprodukten aus. Dies betrifft nicht nur Deutschland, sondern die Produktion weltweit.
Ein Anstieg der Inflation sollte aufgrund der nachgelagerten Auswirkungen des Iran-Konfliktes wieder
deutlich mehr in den Fokus geraten.
Aktienmärkte zeigen sich erstaunlich resilient. Bleibt das so?
An den Kapitalmärkten wächst das Risikobewusstsein. Geopolitische Spannungen und ein kritisch
hinterfragter Technologiesektor führen dazu, dass Anlegerinnen und Anleger wieder stärker
differenzieren. Entscheidend ist nicht mehr nur, wo Wachstum entsteht – sondern wo es auch unter
schwierigeren Rahmenbedingungen Bestand hat. Trotz der Unsicherheiten zeigen sich die Märkte aber
erstaunlich resilient und tendieren nahe den Höchststände. Sicherlich unterstützt von den weiterhin
bemerkenswerten Gewinnentwicklungen der Aktiengesellschaften.
Steigende Inflationssorgen beeinflussen die Zinsmärkte Zusehens.
Die mit steigenden Energiepreisen und den Problemen der Lieferketten einhergehenden Inflationssorgen
haben sich bei den Renditen der Staatsanleihen bemerkbar gemacht. Hier gab es in kurzer Zeit spürbare
Renditeanstiege. Die kräftigeren Bewegungen am kurzen Ende der Zinskurve signalisieren eine
Neubewertung der zu erwartenden Zentralbankpolitik. Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Zinsen
zunächst beim jetzigen Niveau belassen, obwohl sich die Aufwärtsrisiken für die Inflation und die
Abwärtssorgen für das Wachstum erhöhen. Mit Blick auf die US-Notenbank Federal Reserve, werden die
Chancen von Zinssenkungen geringer. Steigende Zinsen bedeuten i.d.R. Kursrückgänge für bestehende
Positionen und sollte berücksichtigt werden.
Hat der Petro-Dollar ausgedient?
Im Tausch gegen ihr Öl haben die Golfstaaten während Jahrzehnten Dollars gehortet. Asiatische Länder
haben Dollar-Reserven angehäuft, um damit nach Bedarf Rohstoffe zu kaufen. Doch mit dem Irankrieg
und der Unfähigkeit der USA, den freien Seehandel zu garantieren, wird dieses System hinfällig. Für die
meisten Länder macht es mehr Sinn, in Zukunft direkt Rohstoffe und Gold anstatt Dollars zu horten.
Der Goldpreis schwächelt. Zeigt sich hier das Ende der historischen Preisrally?
In den vergangenen Jahren kauften Zentralbanken Tausende Tonnen Gold, um ihre Währungsreserven
zu diversifizieren. Damit heizten sie eine historische Goldpreisrally an. Seit Beginn des Iran-Kriegs gibt es
Berichte über massive Verkäufe. Insbesondere Polen hatte in den letzten Jahren massiv Gold gekauft.
Kürzlich wurden Teile des Bestandes verkauft, um die Aufrüstung zu finanzieren. Auch die Türkei
verkauften kürzlich Teile ihres Goldbestandes bzw. hinterlegt das Gold für befristete Devisengeschäfte
(SWAP-Geschäfte). Das Geld brauchte die Zentralbank, um am Devisenmarkt die türkische Lira zu
stützen. Die Währung ist seit Beginn des Kriegs im Nachbarland Iran vor allem durch die steigenden
Energiepreise unter Druck geraten. Gold erfüllte somit wieder die Funktion als „Krisenwährung“ und verhalf
den Ländern zu zusätzlicher Liquidität. Zeitversetzt ist zudem zu erwarten, dass Gold den Kaufkraftverlust
durch den Anstieg der Inflation wieder ausgleicht. Kursgewinne wie im vergangenen Jahr sind aber
kurzfristig wahrscheinlich nicht zu erwarten.
Fazit:
Weiterhin bleibt die geopolitische Lage der Haupttreiber für Marktveränderungen. Insbesondere die
politische Agenda von Mr. Trump bleibt unplanbar. Die alte Bösenregel. „Sell in May and go away, but do
not remember to come back in September…” könnte aktuell ein guter Ratgeber sein. Aber weiterhin gilt,
ein breit aufgestelltes Portfolio ist die Basis für gute Anlageerfolge.
Als bankenunabhängiger Vermögensspezialist beraten wir Sie individuell und ohne hauseigene
Produkte. Besuchen Sie uns auf unserer Internetseite www.aurumvm.de oder vereinbaren Sie
gerne einen Gesprächstermin unter Tel. 06631/ 8018-440.

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